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25.06.2017

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Freitag, 09. Juni 2017
Kath. Kirchengem. - Antoniusmesse
Ort: Antonius Kapelle Alfert
Samstag, 10. Juni 2017
Sonntag, 11. Juni 2017
Montag, 12. Juni 2017
Donnerstag, 15. Juni 2017
Sonntag, 18. Juni 2017

Vereine

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Ostwig trifft ...

An dieser Stelle werden wir Euch ab jetzt „Ostwiger Köpfe“ vorstellen, die uns aus ihrem Leben erzählen. Die Auswahl der Interviewpartner erfolgt ohne System, Hierarchie oder Besonderheiten. Denn: Jeder von uns hat sicherlich eine schöne Geschichte – ob es eine besondere Anekdote, der berufliche Werdegang oder in aller Kürze Erinnerungen an das alte und neue Ostwig ist. 
Meldet Euch gerne bei uns, falls auch ihr uns Eure Geschichte erzählen möchtet oder ihr jemanden mit interessanter Geschichte kennt! Gebt uns auch gerne einen Hinweis, wen wir vorstellen sollen, wir kümmern uns dann um den Rest. 

Und so geht´s: Einfach hinter der Theke im Kumm rin kurz Bescheid geben oder direkt eine E-Mail an die Redaktion schreiben. Natürlich könnt ihr uns auch eine Nachricht auf unserer Facebook-Seite zukommen lassen.

Das Redaktionsteam freut sich auf Eure Nachrichten!

 

... Bernhard Kersting

Ostwig.de trifft Bernhard Kersting im Kumm rin und fragt sich, ob die Kumm rin-Crew ihn denn auch schon vor verschlossener Tür hat warten lassen?

Bernhard schmunzelt, „ich bin immer Punkt 17.30 Uhr hier – tatsächlich habe ich auch schon voller Zorn bis kurz vor sechs gewartet. Aber die Wirte haben mir erklärt, dass es eigentlich erst um 18 Uhr losgeht. Seitdem mein Namensschild nun fest in der Theke eingearbeitet ist, habe ich es nicht mehr so eilig, denn mein Patz ist mir ja sicher.“ 

Kerstings Bernhard ist ein Urgestein im Ostwiger Dorfleben. Kennen viele ihn doch auf seinem 25er Deutz-Trecker, mit dem er seit dem Eintritt ins Rentnerleben die Schildstraße mit Holz beladen hinunter fährt. Bis auf einige Eingeweihte fragen sich viele, warum er Woche für Woche donnerstags mit den Füßen schart, bis das Kumm rin öffnet. Ist es tatsächlich nur das wohlverdiente Bier zum Wochen-Ende, fragen wir Bernhard. „Nein natürlich nicht, wer wir ich schon viele Jahre Rentner ist, muss einfach mal raus unter die Leute. Wer wie ich schon über 56 Jahre großteils glücklich verheiratet ist, braucht einfach den Austausch mit Gästen an der Theke. Den hat er heute, fast alle Tische im Kumm rin sind zu dieser frühen Abendstunde besetzt und auch an der Theke ist einiges los. Nachdem viele Jahre in Ostwig keine Kneipe mehr geöffnet hat, pilgerte er jahrelang ins Landhotel nach Gevelinghausen. Nachdem vor fünf Jahren dann die Ostwiger Ehrenamtskneipe öffnete, gab es dort für ihn sogar noch eine kleine Abschiedsfeier. Kneipe ist wichtig, denn eine Nachbarschaft wie früher gibt es ja nicht mehr. Alle sind unterwegs oder in Eile – fast niemand hat mehr Zeit für einen kurzen „Schnack“ auf der Straße, das holen die Ostwiger nun Donnerstag bis Sonntag in "ihrer" Kneipe nach, ist sich Kerstings Bernhard sicher.

Bernhard, Jahrgang 1934 lebt seit seiner Geburt im Elternhaus in der Schildstraße. Fünfzig Jahre zuvor kaufte dort sein Ururgroßvater eines der heute ältesten Häuser von Ostwig, das seitdem in Familienbesitz ist. „Das ist schon etwas Besonderes“, erzählt er weiter, „wir leben heute zu vier Generationen Tür an Tür.“ Urgroßvater ist er heute selbst und weg wollte er aus Ostwig eigentlich nie. Die weiteste Reise war in der 60/ 70er Jahren nach Italien. Dort an der französischen Riviera in Diana Marina verbrachte Familie Kersting mit den beiden Kindern und Freunden einige Male die Sommerferien. „Ohne den Wechsel zur Bahn und meiner Ausbildung zum Lokführer wären diese Reise und einiges mehr finanziell gar nicht möglich gewesen“, resümiert Bernhard im Rückblick.

Nach der Volksschule in Ostwig (Anm. heute Kältetechnik Vorderwülbecke) absolvierte er zunächst die Betriebsschlosserlehre bei Honsel. Nach der Heirat mit seiner Helena ermöglichte ihm die Deutsche Bahn ab 1958 die Lokführer-Laufbahn. Zu dieser Zeit wurde noch die legendäre Dampflok P8/03 einsetzt. Rund zwanzig Jahre später waren diese dann bei der Bahn komplett ausgemustert und die Zeit der E-Loks kam. Neben dem Beruf engagierte er sich nicht nur beim Schützenverein sondern vor allem bei der GDL, der Gewerkschaft der Lokführer. Sein Part bei der Ortsgruppe in Bestwig war der des Streitschlichters. Während dieser Zeit hat Kerstings Bernhard gelernt, dass viele Probleme vernünftig im Gespräch gelöst werden können. Daher sei das Kumm rin eine immens wichtige Bereicherung für das ganze Dorf. 

Gesprochen hat Bernhard bis vor einem Jahr regelmäßig auch mit seinem alten Schulfreund Johannes Borgrebe. Gemeinsam haben Sie beim alten Hauptlehrer Hubert Schneider acht Jahre lang die Schulbank gedrückt. Johannes ist später als junger Mann nach Florida ausgewandert und lebte dort bis zu seinem Tod im letzten Jahr. „Wir haben uns über all die Zeit regelmäßig geschrieben und später einmal im Monat telefoniert. Die Gespräche mit meinem Freund fehlen mir sehr. Johannes und ich haben immer viel von Ostwig, wie es früher war, erzählt. Es gab nur wenige Straßen und Autos. Die Menschen und Familien hatten einfach viel mehr Zeit“, erinnert sich Kerstings Bernhard mit ein wenig Wehmut in der Stimme.